Wenn man lange genug auf die Wolken schaut, kann man sehen, wie der Wind sie in verschiedene wunderbare Formen verwandelt. Zuerst schwebt über den Himmel ein gewöhnlicher Tintenfleck, dann sieht er aus wie ein Krokodil, dann wie ein Nilpferd, und dann wie ein echtes Wunderding.
Eines Tages sah Vika genau so ein Wunderding am Himmel.
Vika schaut, und das Wunderding klatscht in die Hände, sprüht einen regenbogenfarbenen Regen aus, und dieser Regen ist verzaubert. Er wäscht alles weg. Vika schaut sich um: Es gibt keine Häuser, keinen Spielplatz. Nur Fichten tanzen und Pilze in bunten Hüten laufen herum.
Vika schaut genauer hin, und das sind gar keine Pilze, sondern kleine Männchen. Nur ihre Hüte sehen aus wie Fliegenpilze, Steinpilze und Pfifferlinge.
Wer bist du?
Fragt sie ein kleines Männchen.
Ich bin Vika. Und wer seid ihr?
Wir sind Pilze!
Antwortet das kleine Männchen.
Warum lauft ihr denn ständig herum?
Fragt Vika.
Wir haben Angst!
Piepsen die Pilze im Chor und rennen plötzlich in alle Richtungen davon, verstecken sich im Gras.
Gerade wollte Vika fragen, vor wem sie so große Angst haben, da verdunkelte ein schwarzer Schatten die ganze Lichtung, und über den Bäumen wirbelte der böse Zauberer der Angst wie eine finstere Wolke auf.
Warum rennst du nicht weg?
Fragt er Vika mit donnernder Stimme.
Ich habe keine Angst vor dir!
Antwortet das Mädchen mutig.
Der Angst-Zauberer schnappte nach Luft, stöhnte auf, stampfte mit dem Fuß, riss den Steinpilz aus dem Gras und schrie:
Jetzt esse ich ihn auf, und dann dich! Hast du Angst?
Nein! Lass den Kleinen los! Sonst schlage ich dich mit einem Stock!
Antwortet Vika wieder.
Und plötzlich nach diesen Worten schrumpfte die Angst zusammen, wurde kleiner und schwächer, während Vika größer und stärker wurde.
Das Mädchen schnappte sich einen Stock und holte aus, um den bösen Zauberer zu schlagen.
Der Angst-Zauberer kreischte:
Jetzt fürchte dich vor mir! Alle müssen sich vor mir fürchten!
Aber er wich zurück, trat den Rückzug an und blickte nervös auf den Stock. Vika rückte vor und wurde immer größer und stärker. Und der Stock in ihren Händen wuchs.
Ach, fass mich nicht an!
Endlich kreischte die Angst auf, ließ den Pilz fallen und versteckte sich hinter einem Baumstumpf.
Dort begannen die Pilze, ihn zu kitzeln, und die Angst musste fliehen. Sie verwandelte sich in ein schwarzes Wölkchen, flog in den Himmel und fiel als Regen herab, der sich in einen Regenbogen verwandelte.
Oh, großartige Vika, – riefen die Pilze aus. – Wie ist es dir gelungen, den bösen Zauberer zu besiegen? Das ist doch die schrecklichste Angst!
Und Vika antwortet ihnen:
Jeder, der sich für den Schwachen einsetzt, wird stärker!
Das heißt, wenn ich mich für ein kleines Insekt einsetze, werde ich auch groß und stark? – fragt das winzige Pilzchen Rötel das Mädchen.
Ja, wirst du!
Lächelt Vika.
Da greift gerade eine Raupe einen Glühwürmchen an. Rötel schnappte sich einen Grashalm und vertrieb die Raupe vom Glühwürmchen.
Rötel, wie stark und mutig du bist!
Rief das Glühwürmchen aus.
Ich bin stark und mutig!
Freute sich Rötel.
Danke dir, Vika! Jetzt wissen wir, dass der Stärkste derjenige ist, der die Schwachen beschützt. Jetzt werden wir uns alle gegenseitig beschützen und vor niemandem mehr Angst haben!
Die Pilze verabschiedeten sich von Vika, setzten sie auf eine Wolke und schickten sie nach Hause.
Und die Angst kehrte in dieses Märchen nie wieder zurück.