In einem fernen Königreich, in einem weit entfernten Land, lebte einst ein König. Lange regierte er, doch das Alter – das ist so eine Sache, vor der man nicht davonlaufen kann. Und am Vorabend seines Geburtstags beschloss er, klug zu handeln, und verkündete seinen drei Töchtern seine Entscheidung.
Meine Töchter, meine Kostbaren. Wie ihr wisst, habe ich bald Geburtstag. Und ich möchte Folgendes verkünden: Wer mir den leckersten und besten Kuchen bringt – die wird mit ihrem Gemahl den Thron besteigen.
Als sie diese Nachricht hörte, eilte die erste Tochter zu einem ausländischen Konditor. Sie gab ihm ihr Diadem, warf sich ihm fast zu Füßen – und flehte ihn an: Mach mir einen Kuchen, ich werde dich königlich belohnen.
Die zweite Tochter schickte Boten in alle Ecken des Landes, um exotische Süßigkeiten und Früchte zu bringen. Sie befahl den Dienern, den Teig zu kneten, sammelte alle Beeren und begann zu kommandieren.
Was die jüngste Tochter tat – das ist unbekannt. Aber drei Tage und drei Nächte verließ sie das Haus nicht und verbrannte in der Dämmerung viele Kerzen…
Dann kam der Geburtstag des Königs. Die älteste Tochter brachte ihm einen Kuchen, und was für einen. Der Teig war in Frankreich geformt worden, die Füllung wurde extra von jenseits der Meere gebracht. Und wie verziert – verziert! Die Stuckarbeiten an den Palastwänden waren nicht so prächtig.
Die mittlere Tochter zeichnete sich ebenfalls aus. Ihr Kuchen sah unscheinbar aus, doch innen – exotische Früchte und Süßigkeiten, die einem Deutschen ungewohnt sind. Kondensmilch und Sirup flossen in Strömen – man musste nur den Mund aufmachen.
Doch die Jüngste kam mit leeren Händen, noch dazu ganz schmutzig – das Gesicht voller Ruß und Asche. Da wurde der König zornig.
Du respektierst mich wohl nicht? Hast deinem eigenen Vater nicht einmal einen kleinen Kuchen gebracht.
Sei nicht böse, Väterchen. Aber ich dachte mir: Was haben wir in diesen Kuchen nicht gesehen? Wir essen sie einmal und vergessen sie. Ich habe es besser gemacht – ich habe viele Kuchen gebacken und sie den armen Stadtbewohnern gegeben. Sie werden sie essen und deinen Namen noch lange preisen.
Da wurde der König nachdenklich. Lange dachte er nach und erkannte, dass seine jüngste Tochter richtig gehandelt hatte – sie hatte dem Vater eine Freude gemacht und den Armen geholfen.
Und so machte er sie zur Thronerbin. Und das Königreich blühte noch viele Jahre lang.