An der Waldlichtung lag Schnee. Alles ringsum war wie mit einer dicken Decke aus dichtem weißem Fell bedeckt. Fichten und Birken wickelten sich zitternd in flauschige Tücher. Der Bach murmelte nicht unter der Winterhülle. Es schien, als würde es immer so bleiben…
Und obwohl die Sonne heller schien und die Winterdecke gleichsam durchlöcherte – die zu spröden Eiskristallen verfestigten Schneeflocken sahen darin keine Bedrohung für ihre Herrschaft. Nach der naiven Wärmung würden bald wieder Fröste und Schneestürme folgen, frischer Schnee würde die von der heißen Sonne aufgetauten Stellen bedecken… So dachten sie. Aber eines Tages…
Nein, das geht zu weit! Was für eine Frechheit!
In unserer Zeit zu erscheinen mit solch grünen Blättern!
Und es selbst! Es verstellt sich, maskiert sich als einer von uns!
Und innen ist es rosa!
Kurz gesagt – ein törichter Träumer! Hoffnungslos aus der Zeit gefallen…
So zischten und knirschten die Eiskristalle und Schneeflocken, die das kleine Schneeglöckchen in einem engen Ring umgaben, das in der Mitte einer winzigen Tauwasserstelle durchgebrochen war. Mit argwöhnischen Blicken auf den Fremden versuchten sie, ihn mit ihrem Reif zu umhüllen, lachten über ihn und flüsterten immer wieder: wie dumm ist es doch – jetzt, nach vier Monaten uneingeschränkter Herrschaft der Winterelemente, die anscheinend die ganze Welt erobert haben, an eine Erwärmung zu glauben und – fast inmitten von Schneewehen – als rosa Blume zu wachsen.
«Nichts – höhnten sie – bald wird es wieder frieren, und dieses Pflänzchen wird nicht mal mit einer Staubgefäße blinzeln, bevor es sich in einen Eiskristall wie uns verwandelt. Versteht es nicht, dass die Zeit der Blumen schon vor einem halben Jahr vorbei ist?! Sie haben sich erschöpft, verwelkt, verdorrt – der Herbst hat das bewiesen – und nun ist die Ära des Winters angebrochen. Jetzt braucht die Waldgemeinschaft diese naiven Kräuter nicht mehr. Schnee – das ist die höchste Entwicklung der Natur, ihre Realität!»
Und das Schneeglöckchen streckte sich der wärmenden Sonne entgegen und versuchte, das eisige Knirren zu ignorieren. Mit all seinen Blütenblättern sog es die belebende Wärme und das Licht auf und versuchte, so viel wie möglich aufzunehmen, um die Erde neben sich zu wärmen…
Die Geschöpfe des Winters tobten und versuchten mit aller Kraft, den Frühlingsboten zu gefrieren. Die Geduld verlierend, schrien sie ihm laut zu:
Hör doch auf, so eigensinnig zu sein! Bedecke dich mit Reif, werde wie alle anderen! Höre auf, dich nach Wärme zu sehnen, wenn es in dieser Welt, in der der Winter gesiegt hat, so wenig davon gibt!
Und dann sprach das Schneeglöckchen. Es hob sein zartes Köpfchen und sagte leise:
Arme dumme Eiskristalle! Denkt ihr wirklich, dass die Sonne, die mir inmitten eurer Herrschaft das Leben geschenkt hat, nicht an eben jenem Ort, wo ihr ewig herrschen wollt, einen wunderschönen Garten schaffen kann, in dem ich die kleinste und unauffälligste Blume sein werde… Aber wie ihr zu werden… Aufzuhören, mich nach Sonnenwärme zu sehnen… Aber darin besteht mein Leben!…»
Er konnte nicht zu Ende sprechen. Die Schneewehen erzitterten vom wahnsinnigen Gelächter von Myriaden spröder Eiskristalle, die sich in ihrer Überlegenheit über die winzige lebende Blume sonnten…
Aber einen Monat später murmelte der Bach, und die Waldlichtung war mit einem zarten Teppich junger Gräser bedeckt, in dem Dutzende und Hunderte von Blumen leuchteten, die sich der Sonne erfreuten.