Eines Tages ging Vasily mit seiner Mutter in den Kindergarten. Sie waren in solcher Eile, dass der Junge einen Stein auf der Strasse nicht bemerkte, stolperte und hinfiel. Er lag auf der Strasse und weinte. Ein kleiner Hund lief zu ihm und leckte ihn an der Nase.
Die Mutter sagte:
Wie konntest du den Stein nicht sehen? Man muss auf den Boden schauen. Jetzt muessen wir dir eine Brille kaufen.
Der Hund wedelte mit dem Schwanz, bellte laut und lief voraus und schaute sich um, als wuerde er den Weg zeigen. Vasily und seine Mutter folgten dem Hund. Als sie um die Ecke bogen, sahen sie ein helles Schild ueber der Tuer eines Geschaefts, das es hier vorher nicht gegeben hatte.
Auf dem Schild stand "Notwendiges-Magisches". Der Hund sprang in den Laden, und Vasily mit seiner Mutter folgten ihm. Die Mutter fragte den Verkaeufer, ob er Brillen haette, um Steine und Pflastersteine rechtzeitig zu bemerken.
Nein, aber wir haben Brillen, um verschiedene Leckereien mit austauschbaren Glaeser zu bemerken.
Antwortete der Verkaeufer.
Was fuer Leckereien, was fuer Unsinn!
Wunderte sich die Mutter. Der Verkaeufer legte eine Brille mit Erdbeerglaeser auf die Theke:
Sie koennen sie anprobieren.
Die Mutter sagte, dass ihr diese Brille nicht passt und sie eigentlich keine Brille braucht, aber ihr Sohn braucht eine Brille, um Steine und Pflastersteine zu bemerken.
Der Hund sprang auf die Theke und setzte dem Jungen mit einer geschickten Schwanzbewegung die Brille mit den Erdbeerglaeser auf die Nase.
Oh!
Rief Vasily aus.
Was ist mit dir?
Schrie die Mutter.
Was fuer eine Leckerei!
Sagte der Junge, nahm einen Radiergummi vom Tisch, der sich in seiner Hand in eine reife Erdbeere verwandelte, und ass sie. Die Luft roch nach Erdbeeren.
Was ist das?
Fragte die Mutter. Aber der Verkaeufer antwortete ihr nicht. Er zog einen Vorhang von einem Regal an der Wand weg, auf dessen Regalen bunte Glaeser in verschiedenen Farben schimmerten.
Was ist das?
Wiederholte die Mutter ihre Frage.
Das sind austauschbare Glaeser fuer die Brille. Moechten Sie sie kaufen?
Ich verstehe das nicht ganz...
Begann die Mutter.
Welche anderen Glaeser haben Sie noch?
Unterbrach sie Vasily.
Bitte, lernen Sie sie kennen.
Der Verkaeufer fuehrte ihn zum Regal. Die Glaeser klingelten froehlich. Der Verkaeufer nahm die Brille und wechselte die Erdbeerglaeser gegen Traubenglaeser aus. Der Junge setzte die Brille auf, nahm einen Bleistift vom Tisch, der sich sofort in eine schoene Traube verwandelte.
Wir kaufen die Brille!
Rief der Junge freudig.
Ja, ja, natuerlich kaufen wir sie. Gibt es eine Gebrauchsanleitung? Und wie lange ist die Garantie? Und wie viel...
Sagte die Mutter.
Der Verkaeufer packte die Brille und die Glaeser in eine Tuete, reichte sie dem Jungen und sagte:
Fuer unsere allerersten Kunden kostenlos.
Ganz kostenlos?
Fragte die Mutter.
Ganz.
Und die Garantie?
Sie brauchen keine Garantie. Die Brille kann nur kaputt gehen, wenn Sie das wollen, oder besser gesagt, wenn Sie nicht wollen, dass sie Ihnen hilft.
"Wuff-wuff-wuff", ertönte es vom Tisch.
Ach, entschuldigen Sie, ich haette es fast vergessen.
Er ging zum Hund und setzte ihm eine Brille mit Wurst-Glaeser auf.
Werdet ihr nicht zu spaet in den Kindergarten kommen?
Ach, danke, dass du mich erinnert hast. Ich muss zur Arbeit! Vielen Dank!
Die Mutter besann sich und sie eilten in den Kindergarten.
Nachdem sie ihren Sohn zum Tor gebracht und sich von der Erzieherin verabschiedet hatte, rannte die Mutter zur Bushaltestelle, da sie zur Arbeit zu spaet kam. Vasily ging zu seinen Freunden aus der Gruppe. Die Kinder sassen in einer Sandkiste und formten etwas. Jeder sein eigenes. Er wollte auch mit dem Sand arbeiten, aber es war kein Platz fuer ihn.
Du kommst zu spaet!
Sagte das Maedchen Svetochka.
Wir spielen Gemuese- und Obst-Laden. Kauft Gemuese und Obst!
Schrie sie.
Und hier sind Bananen! Hier sind Wassermelonen, allerdings kleine. Und das sind meine Nuesse.
Der Junge Semka legte kleine Steine vor sich hin. Vasily liebte Nuesse sehr. Er setzte eine Brille mit Nuss-Glaeser auf:
Sehr leckere Nuesse.
Er begann, die Steine zu nehmen und sie mit Vergnuegen zu knacken. Semka sagte:
Was machst du? Wir spielen doch nur so zum Spass.
Bitte, nimm dir welche!
Vasily oeffnete seine Handflaechte, in denen echte Nuesse lagen.
Ah! Du hast mich reingelegt.
Erkannte der Junge Igorek. Er hatte gesehen, wie Vasily Steine nahm, aber nicht bemerkt, wie sie sich in Nuesse verwandelten.
Wer hat Orangen?
Fragte Vasily.
Hier.
Sagte Anyutka und zeigte ihre Sand-Fruechte.
Ich kaufe.
Vasily setzte eine Brille mit Orangen-Glaeser auf, und alle Kinder sahen, wie er eine Orange von Anyutkas Theke nahm.
Wir waren auch im Zirkus. Dort zog ein Onkel Zauberer ein Kaninchen aus einem Hut, und es erschienen auch Tauben aus seiner Tasche.
Sagte Katyushka.
Ich moechte eine Wassermelone!
Vasily wechselte die Glaeser. Alle Kinder versammelten sich ueberrascht um eine Wassermelone, die ploetzlich in der Sandkiste erschien.
Nur muss man sie waschen und schneiden.
Sagte Vasily. Waehrend die Kinder mit offenem Mund dasassen, lief er los, um Teller, einen Eimer mit Wasser und ein Messer zu holen. Nachdem er die Wassermelone geschnitten hatte, sagte er zu den Kindern:
Bitte, nehmt euch welche!
Die Kinder nahmen zaghaft ein Stueck Wassermelone und kosteten vorsichtig. Aber die Wassermelone war sehr saftig und suess. Die Zaghaftigkeit verschwand. Vasily nahm die Brille ab und fragte die kleine Katyushka:
Was moechtest du denn?
Eine Ananas.
Vasily wechselte die Glaeser und setzte die Brille auf Katyushka.
Oh!
Schrie das Maedchen auf, dann lachte es laut und hielt eine grosse Ananas in den Haenden.
Und ich moechte einen Apfel!
Sagte Vlada.
Und ich einen Pfirsich.
Sagte Mishenka. Vasily wechselte nur noch die Glaeser. Die Erzieher bemerkten, dass in der Sandkiste wunderbare Dinge geschahen.
Also, wer hat die Fruechte mitgebracht?
Fragte die aeltere Erzieherin.
Habt ihr sie gewaschen?
Gewaschen, gewaschen! Bitte, nehmt euch welche!
Sagte Vasily.
Nein, danke.
Hat heute jemand Geburtstag?
Fragte die juengere Erzieherin, die zur Sandkiste kam.
Und wo ist der Kuchen?
Scherzte sie. Vasily reichte ihr die Brille:
Hier ist der Kuchen!
Er zeigte auf einen grossen Sandhaufen. Die juengere Erzieherin lachte, setzte die Brille auf und sagte:
Ein virtueller Biskuit?
Er ist echt. Probieren Sie.
Sagte Vasily.
Woher kommt der Kuchen? Ich erinnere mich genau, dass er hier nicht war.
Wunderte sich die aeltere Erzieherin.
Und Sie sehen ihn?
Fragte sie die juengere Erzieherin. Sie nahm die Brille ab, streckte vorsichtig die Hand aus, kratzte mit dem Finger etwas Creme ab und probierte sie:
Vanille. Mir ist der Hals trocken geworden.
Sagte sie.
Vasily wechselte die Glaeser in der Brille, und alle sahen, dass sich der Spatel, den sie hielt, in eine grosse Flasche Limonade verwandelte. Sie schaute fragend auf die Kinder und die aeltere Erzieherin. Und die aeltere Erzieherin sagte:
Lasst uns feiern...
Was feiern?
Unterbrach sie die juengere Erzieherin.
Lasst uns den Tag der Wunder feiern!
Hurra!!!
Schrien die Kinder. Die Brille ging von Hand zu Hand, Vasily wechselte nur noch die Glaeser. Um die Sandkiste versammelten sich alle Bewohner des Kindergartens.
Es gab Erzieherinnen und Kinderfrauen, die Koechin Tante Mascha, den Hausmeister, den Verwalter und sogar die Direktorin des Kindergartens, eine Kandidatin der Paedagogik. Und alle genossen die Fruechte, alle lachten, und alle beglueckwuenschten sich gegenseitig zum Fest "Tag der Wunder".
Als die Eltern am Abend kamen, waren sie sehr ueberrascht, denn die Kinder und Erzieherinnen und Kinderfrauen, die Koechin Tante Mascha, der Hausmeister, der Verwalter und sogar die Direktorin des Kindergartens, eine Kandidatin der Paedagogik, die sie am Tor empfingen, waren aus irgendeinem Grund mit Creme und Schokolade beschmiert.