Einmal lief ein Hund namens Schrik entlang eines hohen Zauns, der den Zoo umgab. Plötzlich bemerkte er ein kleines Kätzchen vor sich. Es saß unter dem Zaun und weinte leise. Seit seiner Kindheit jagte Schrik kleine Kätzchen. Mal biss er sie in den Schwanz, mal trieb er sie auf einen Baum. Und jedes Mal, wenn er diese unscheinbaren, zottigen Knäuel traf, erinnerte er sich stolz an seine Erfolge.
Schrik geht an dem weinenden Kätzchen vorbei und denkt darüber nach, ob er das flauschige Tier beim Schwanz packen soll?! Es ist so klein, dass es nicht mal blinzeln kann. Aber für Schrik ist die Jagd das Wichtigste! Denn nur wenn er kleine arme Kätzchen durch die Straßen jagt, bekommt er Vergnügen. Schrik ist ein Jagdhund, das Talent eines Jägers und Versorgers hat er von seinen mutigen und furchteinflößenden Vorfahren geerbt.
Daraufhin beschloss Schrik, vorbeizugehen. Aber dann hörte er plötzlich, wie das Kätzchen bitterlich weinte.
Katzentrännen kann ich überhaupt nicht ausstehen!
Dachte der Hund bei sich.
Sie werden so erbärmlich, wenn sie weinen, so hilflos!
Und dann beschloss Schrik, sich zu erkundigen, was mit dem Kätzchen passiert war. Warum hatte es sich in die Ecke gekauert und weinte so bitterlich?
Hallo, Kleiner! Wie heißt du?
Fragte Schrik das Kätzchen.
Ich heiße Raufbold!
Schnurrte das Kätzchen leise.
Was sitzt du denn hier und weinst? Was ist denn passiert?
Erkundigte sich der Hund.
Ich habe mich verirrt und weiß nicht, wie ich nach Hause komme,
Antwortete das Kätzchen.
Verirrt! Na ja! Wir werden deine Mutter gleich finden, du musst nur aufhören zu weinen. Sonst fange ich auch noch an zu weinen! Sag mir, wo du mit deiner Mutter lebst?
Fragte der Hund.
Wir leben im Zoo. Ich bin nur für eine Minute spazieren gegangen und habe mich sofort verirrt,
Antwortete Raufbold traurig.
Na siehst du, es ist gar nicht so schlimm. Wo du lebst, wissen wir jetzt. Na dann, lass uns deine Mutter suchen?
Schlug Schrik vor.
Raufbold nickte und wischte sich die Tränen weg. Und so machten sich Schrik und das Kätzchen auf die Suche. Sie drängten sich durch das Dickicht und erreichten schließlich die großen Tore des Zoos.
Wie könnte deine Mutter aussehen? Es gibt hier so viele Tiere, dass es schwierig sein wird zu erraten, welche deine Mutter ist,
Überlegte Schrik.
Nach einigen Minuten des Nachdenkens beschloss der Hund, dem Schild zu folgen, auf dem "Katzen" stand.
Und so kamen der Hund und das Kätzchen zum ersten Käfig, aus dem eine Luchs sie mit durchdringendem Blick ansah.
Ist das zufällig deine Mutter?
Fragte Schrik.
Nein, sicher nicht! Diese Katze hat Quasten an jedem Ohr, aber meine Mutter hat das nicht,
War Raufbold betrübt.
Na ja, dann suchen wir weiter!
Sagte Schrik zuversichtlich.
Und vor dem Kätzchen und dem Hund erschien der zweite Käfig. Durch das Gitter schaute ein riesiger Tiger auf sie.
Schau mal, das sieht ähnlich aus, nur viel größer als du,
Rief Schrik freudig aus.
Nein, das ist auch nicht meine Mutter, sie hat keine solchen Streifen wie diese riesige Katze,
Antwortete Raufbold.
Ja, wieder daneben. Na gut, wir machen weiter!
Gab Schrik nicht auf.
Im nächsten Käfig trafen die Freunde einen Leoparden.
Schau mal, Raufbold, diese hat keine Streifen. Könnte das deine Mutter sein?
Fragte der Hund hoffnungsvoll.
Nein, diese hat solche Punkte am ganzen Körper. Meine Mutter hat solche sicher nicht,
Raufbold fing wieder an zu weinen.
Das gleiche Unglück erwartete den Hund und das Kätzchen, als sie zum Käfig mit dem Puma kamen. Auch hier war Raufbalds Mutter nicht.
Hör mal, kannst du mir wenigstens beschreiben, wie deine Mutter aussieht?
Fragte Schrik.
Meine Mutter ist die schönste. Sie ist ganz schwarz, wie die Nacht,
Antwortete Raufbold.
Ah, dann weiß ich, wo sie ist,
Rief der Hund aus.
Das ist eine Panther! Ganz sicher!
Und dann rannten der Hund und das Kätzchen los, um den Käfig mit der Aufschrift "Panther" zu suchen.
Das ist sie ganz sicher, Raufbold!
Sagte der Hund fast freudig, als das richtige Schild gefunden wurde.
Nein, das ist sie nicht!
Das Kätzchen war völlig enttäuscht und fing an zu weinen, indem es den Kopf vom Käfig abwandte.
Und plötzlich rief Raufbold laut:
Da ist sie, meine geliebte Mutter!
Auf dem Nachbarweg spazierte eine schwarze flauschige Katze stolz vorbei.
Das ist ja nur eine gewöhnliche Katze!
Sagte Schrik überrascht.
Das ist keine gewöhnliche Katze!
Protestierte Raufbold.
Das ist meine geliebte und beste Mutter der Welt!
Seltsam, du hast gesagt, dass ihr zusammen im Zoo lebt. Wo ist denn euer Käfig? – Wunderte sich der Hund.
Ja, das stimmt. Meine Mutter lebt wirklich im Zoo. Aber nicht in einem Käfig, sondern im Büro des Direktors.
Da wunderte sich Schrik noch mehr.
Und Raufbold kam zu Schrik, und leckte ihm mit seiner warmen, feuchten Zunge die kalte Nase.
Danke dir, Schrik! Du bist jetzt mein bester Freund! Ohne dich wäre ich verloren!
Schnurrte Raufbold aufrichtig.
Das Kätzchen sprang auf und rannte zu seiner Mutter. Schrik schaute ihm nach und dachte: "Das sind ja Neuigkeiten! Noch gestern jagte ich Kätzchen durch die ganze Stadt, erschreckte sie und zog ihnen an den Schwänzen! Und heute bin ich der beste Freund eines Kätzchens! Aber eigentlich ist es so schön, dass dieser kleine Ohrenträger seine Mutter gefunden hat und sie jetzt zusammen sind. Ich werde sie bestimmt besuchen! Denn wir sind jetzt echte treue Freunde!".