Der Drache und die fremde Prinzessin
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Der Drache und die fremde Prinzessin

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Ein Märchen über einen alten Drachen, einen guten König und seine kleine Tochter. Es erzählt davon, dass man durch Höflichkeit und Freundlichkeit einen schrecklichen Krieg vermeiden kann.

In einem gepflegten Schloss neben einem malerischen Garten lebten einst ein König und eine Königin. Sie hatten drei Kinder: eine ältere Prinzessin, einen Prinzen und eine jüngere Prinzessin. Eines Tages spazierten sie im Garten. Plötzlich flog aus dem Nichts ein Drache heran, packte die ältere Schwester und trug sie fort in Richtung eines hohen, hohen Berges. Der König schickte sofort seinen besten Ritter nach ihr.

Der Ritter ritt einen ganzen Tag bis in die Nacht hinein. Er kam zu einem verlassenen Schloss und sah Licht im Fenster eines einsamen Turms. Er schlich sich zur Prinzessin, während der Entführer schlief, und brachte sie zurück zum gepflegten Schloss. Sie ritten die ganze Nacht bis zum Morgen, und zum Frühstück waren sie bereits angekommen. Der König freute sich, dass seine Tochter gesund und munter war, befahl aber, dass niemand das Haus verlassen dürfe, bis er sich überlegt hätte, wie man mit dem fliegenden Bösewicht umgehen sollte.

Nur den mutigen Prinzen ließ er zur Jagd in den dichten Wald, damit er Fasane zum Mittagessen mitbringe. Und er ermahnte ihn, nicht unter den Bäumen hervorzukommen. Doch der junge Prinz war so in die Verfolgung vertieft, dass er den Drachen am Himmel nicht bemerkte und auf eine kahle Waldlichtung hinausstürmte, wo dieser ihn – schnapp! – packte und zu seinem Schloss trug.

Der König wurde richtig wütend. Er schickte wieder den Ritter nach seinem Sohn und gab ihm ein zweites Pferd dazu, damit sie schneller zurückkehren konnten. Er selbst überlegte die ganze Nacht mit den Hofmagiern, wie sie sich von dieser Plage befreien könnten.

Pünktlich zum Frühstück kehrten der Ritter und der Prinz zurück, gesund und munter. Da befahl der König allen, in den Sälen zu bleiben und sich nicht nach draußen zu wagen. Den besten Ritter schickte er in die Nachbarkönigreiche, um von dem Drachen-Bösewicht zu berichten und eine große Armee zu sammeln, um dessen Versteck zu zerstören.

Währenddessen flog der Drache wieder zum Schloss, sah niemanden und brüllte drohend in den ganzen Himmel. Die kleine Prinzessin hörte den lauten Donner, wunderte sich, woher dieser Lärm kam, wenn doch kein Wölkchen am Himmel war. Sie öffnete das Fenster, schaute hinaus, und der Drache – schnapp! – packte sie und entführte sie.

Der König und die Königin erschraken, dass ihr Mädchen entführt worden war, während der treue Ritter sich in einem anderen Königreich befand. Doch die Hofmagier kamen und sagten, sie hätten eine Lösung gefunden. Sie zauberten ein magisches Tuch. In eine Ecke malten sie das schöne Schloss mit dem malerischen Garten und dem dichten Wald, in die andere den hohen, hohen Berg mit dem alten verlassenen Schloss.

Der König nahm dieses Tuch, tippte mit dem Finger auf den einsamen Turm des Drachenschlosses und fand sich sofort in einem ordentlich eingerichteten Zimmer wieder. Er verließ den Turm und sah, dass seine jüngste Tochter zusammen mit dem Bösewicht im Hof an einem sauberen Tisch saß und Tee trank. Die kleine Prinzessin freute sich und sagte:

Eure Hoheit, lieber Papa, setzen Sie sich an den Tisch, wir schenken Ihnen gleich auch Tee ein!

Ich habe keine Zeit, liebes Töchterchen, das ganze Königreich ist in Aufruhr. Hier ist das Tuch, geh zu Mama. Der Drache und ich werden uns unterhalten.

Die gehorsame Prinzessin tippte mit dem Finger auf das Tuch und wurde nach Hause versetzt. Ihr Papa fragte den Entführer:

Warum, Drache, haben Sie beschlossen, meine Kinder zu stehlen?

Dieser antwortete:

Ich habe niemanden gestohlen! Sie haben so viele, und ich habe gar keine. Ich habe mir ein klitzekleines Mädchen genommen! Ich bin alt, ich brauche eine Helferin. Sie haben doch noch welche übrig! Sind Sie etwa geizig?

Der König schüttelte den Kopf und sagte:

Man darf niemanden und nichts ohne Erlaubnis nehmen. Man kann immer hingehen und fragen. Wenn man nicht fragt, ist das Diebstahl und ein Verbrechen. Auf Ihr Schloss bewegt sich eine große Armee der Nachbarkönigreiche zu, weil niemand neben einem so unerzogenen Bösewicht leben möchte.

Der Drache erschrak und versprach, niemanden mehr zu nehmen. Der König war gütig und vergab ihm. Er einigte sich mit den anderen Herrschern und rief die Armeen zurück. Er stellte Helfer für die Reinigung des verlassenen Schlosses zur Verfügung, und der Drache half dafür dem Prinzen beim Fasanenfang.

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