In einer kleinen, aber sehr schönen Stadt lebte ein Mädchen namens Anna. Das Mädchen las immer viel, liebte es, den Märchen zuzuhören, die ihre Mama ihr abends vor dem Schlafengehen erzählte. Und Anna träumte immer davon, den Weihnachtsmann zu sehen, der ihr jedes Jahr die ersehnten Geschenke brachte.
Einmal in der Weihnachtsnacht brachte der Weihnachtsmann sogar einen kleinen Welpen, von dem das Mädchen schon lange geträumt hatte. Und seitdem weiß Anna, dass der alte Zauberer wirklich existiert, denn sie erzählt niemandem von ihren Träumen, und doch werden sie wahr. Das bedeutet, der Weihnachtsmann kann wirklich die Gedanken der Kinder lesen und ihnen das schenken, wovon sie so lange geträumt haben.
Der heiße Sommer verging, und danach der Herbst. Und dann kam der langersehnte Winter, der Dezember. Die Bäume zogen sich weiße Mäntel an, und unter den Füßen knirschte weicher Schnee. Den ganzen Tag tanzten wunderschöne Schneeflocken durch die Luft, und in den Fenstern der Häuser leuchteten nach und nach bunte Lichter – Girlanden. Alle Menschen warteten auf das fröhlichste und zauberhafteste Fest – das neue Jahr!
Und währenddessen bereitete sich in einem fernen Land, dessen Namen niemand kennt, weil es sehr weit entfernt liegt, der alte Zauberer – der Weihnachtsmann – auf seine Arbeit vor. Sein schneeweißer Bart kräuselt sich schön bis zur Taille, und auf seiner Nase sitzt eine Brille mit dicken Gläsern.
Sooo, und was wünschen sich die Kinder dieses Jahr zum Fest?
Nachdenklich setzte sich der alte Mann in den Schaukelstuhl am Kamin und schüttete einen Haufen Briefe von den Kindern aus.
Hier, der kleine Niklas wünscht sich einen Baukasten. Mal sehen, wie er sich benommen hat.
Der Weihnachtsmann zog eine schöne Glaskugel näher heran, in der er alle Kinder der Welt beobachten konnte, ihr Verhalten, ihre Noten.
Nun gut, der Junge hat sich nicht schlecht benommen, und in seinem Zeugnis stehen nur gute Noten. Also werde ich ihm in der Weihnachtsnacht einen schönen Baukasten bringen!
Kommentierte der alte Mann.
Oh, und wer ist dieses Mädchen?
In der Spiegelung der Kugel sah er Anna. Sie saß still in ihrem Zimmer und las ein Buch.
Dann stand das Mädchen auf, ging zum Fenster und flüsterte:
Lieber Weihnachtsmann, wenn du mich hörst, schenk mir bitte ein schönes Puppenhaus. Einmal habe ich es Mama im Geschäft gezeigt, aber wir konnten es nicht kaufen, es ist sehr teuer. Ich verspreche, dass ich nie unartig sein werde, und wenn ich zur Schule gehe, werde ich nur gute Noten nach Hause bringen.
Das Mädchen kniff die Augen fest zu und ballte die Fäuste, es schien ihr, dass ihr Wunsch so noch schneller in Erfüllung gehen würde.
Was für ein gutes kleines Mädchen, ich beobachte sie schon lange!
Sagte der Weihnachtsmann.
Nun gut, ich werde ihren Wunsch wohl erfüllen.
In diesem Moment klopfte es an der Tür des Weihnachtsmanns.
Langsam stand er vom Stuhl auf, ging mit kleinen Schritten zur Tür und rief:
Wer ist da?
Mach auf, Weihnachtsmann, es ist ein Notfall!!!!
Laute Rufe ertönten.
Der alte Mann öffnete die Tür und sah an der Schwelle einen Schneemann. Sein Schal war zerzaust, die Nase zeigte in die andere Richtung, und die Augen waren vor Schreck doppelt so groß geworden.
Das neue Jahr ist verschwunden! Jetzt wird das Fest abgesagt, niemand bekommt Geschenke, und alle Tannenbäume werden verdorren! Katastrophe!
Also, erzähl alles der Reihe nach. Was ist passiert?
Das neue Jahr ist verschwunden! Bis zum Fest sind es nur noch zwei Tage, alle Menschen bereiten sich vor, kaufen Tannenbäume, schmücken ihre Häuser, schenken Geschenke. Aber sie wissen alle nicht, dass das neue Jahr nicht kommen wird!
Der Weihnachtsmann hörte dem Schneemann zu, dankte ihm für die Information und begann nachzudenken.
Und währenddessen brach in der Stadt, wo Anna lebte, das Chaos aus. Der Wind heulte, der Schnee fiel so dicht, dass man die Straßen nicht mehr sehen konnte, die Erde bedeckte sich mit Eis, und die Bäume wurden umgeweht. In der Stadt fiel der Strom aus, die Girlanden erloschen.
Anna wachte vom Geräusch des Windes auf und erschrak.
Sie rief ihre Mama und fragte:
Mama, wie soll denn der Weihnachtsmann zu uns kommen? Er wird den Weg nicht sehen und an uns vorbeigehen. Aber ich warte doch so sehr auf ihn, ich habe mir so sehr das Puppenhaus gewünscht.
Mach dir keine Sorgen, mein Kind. Der Weihnachtsmann kommt immer, er wird bestimmt einen Weg zu uns finden und dir dein langersehntes Geschenk bringen.
Und der Weihnachtsmann verlor keine Zeit. Er ahnte, dass das neue Jahr vom Schneesturm gestohlen worden war, denn dieser wartete schon lange auf seine Zeit, damit das Fest nicht stattfinden konnte.
Nun gut, es ist Zeit, sich mit diesem Schneesturm auseinanderzusetzen!
Rief der Weihnachtsmann.
Er holte seinen riesigen, leuchtenden Stab hervor und schlug damit so auf den Boden, dass sich alle Tiere der Umgebung versammelten.
Meine Helfer, Hasen, Füchse, Wölfe und Rentiere! Helft mir, das neue Jahr zu finden, denn ohne es wird es kein Fest geben! Die Menschen warten, bereiten sich vor, kaufen Geschenke, schmücken Tannenbäume! Wir dürfen nicht zulassen, dass der Schneesturm all das verdirbt! Und dann machten sich alle Helfer des Weihnachtsmanns auf die Suche nach dem neuen Jahr.
Zwei Tage vergingen, draußen war der 31. Dezember. Bis zum Fest waren es nur noch wenige Stunden, und das Licht in den Häusern war immer noch nicht zurückgekehrt. Anna war ganz traurig und dachte, dass es kein Fest geben würde und sie ihr Geschenk nicht bekommen würde.
Sie weinte lange, und nach einiger Zeit schlief sie schließlich ein. Und plötzlich gingen die Lampen in den Häusern wieder an, die Tannenbäume funkelten endlich mit bunten Girlanden, der Schneesturm legte sich.
Ins Zimmer trat der Weihnachtsmann – in einem leuchtend roten Kostüm, mit langem weißem Bart, mit einem riesigen Sack auf den Schultern.
Anna öffnete die Augen, im Haus war es warm und gemütlich, als hätte es keinen Schneesturm gegeben, keinen Sturm, und das Licht wäre nie ausgefallen, aber der Weihnachtsmann war nicht im Zimmer.
Mama, komm schnell her!
Rief das Mädchen.
Die Mama lief ins Zimmer:
Was ist passiert?
Mama, war das neue Jahr da?
Die Mama richtete ihren Blick unter den Tannenbaum, wo ein verpacktes Geschenk stand – riesig, in einer bunten Schachtel.
Anna sprang auf und lief zum Tannenbaum, begann das Geschenk zu öffnen.
Mama, Mama, das ist ein Puppenhaus, genau das, von dem ich so lange geträumt habe.
Vor Glück rief das Mädchen aus.
Siehst du, der Weihnachtsmann hat es doch zu dir geschafft, und kein Schneesturm konnte ihn aufhalten.
Sagte die Mama.
In diesem Moment huschte ein Schatten am Fenster vorbei, Anna lief hin, um zu sehen, was da war, aber sie sah nichts.
In Wirklichkeit hatte es der Weihnachtsmann geschafft, aufs Dach zu klettern, damit das Mädchen ihn nicht bemerkte, sonst hätte er ihr erzählen müssen, wie seine Freunde – die Waldbewohner – das neue Jahr gerettet hatten und wie sie es im Eispalast des Schneesturms gefunden hatten. Aber der Weihnachtsmann muss noch so viele Kinder besuchen, so viele Geschenke verteilen.
Das neue Jahr kam pünktlich dank des Weihnachtsmanns, der immer Wünsche erfüllt und die ersehnten Geschenke bringt!