In einer kleinen Stadt lebte eine Familie: Mama, Papa und ein kleines Mädchen namens Marie. Nicht weit von ihrem Haus entfernt lagen mehrere Seen, wohin die Bewohner im Sommer zum Picknick fuhren. Im Winter aber kamen die Kinder hierher, um Schlittschuh zu laufen, zu zeigen, was sie gelernt hatten, und wer am schnellsten fahren konnte.
Marie war eine der Besten, denn schon mit vier Jahren hatte Papa ihr zum Geburtstag die teuersten Schlittschuhe geschenkt, die es im Geschäft gab. Und seitdem ging das Mädchen jeden Wintertag, wenn das Wasser mit dickem Eis bedeckt war, zusammen mit Papa zum Schlittschuhlaufen.
Schon in ihrer frühen Kindheit hatte Marie im Fernsehen eine interessante Sendung gesehen, wo wunderschöne Eiskunstläuferinnen zu lauter, schöner Musik auf dem Eis tanzten. Was sie nicht alles machten: Sie drehten sich und führten verschiedene schwierige Tricks aus.
Und Marie liebte es besonders, wenn die Eiskunstläuferinnen zusammen mit ihren Partnern – den Jungen – auf dem Eis tanzten. Marie konnte stundenlang vor dem Fernseher sitzen, ohne die Augen abzuwenden, und die ganze Zeit träumte sie davon, genauso schön laufen zu lernen wie all diese Kinder auf dem Bildschirm.
Und Marie wartete darauf, dass sie endlich sieben Jahre alt werden würde und in eine besondere Schule gehen könnte, wo eine schöne junge Frau solchen Kindern beibringt, auf dem Eis zu laufen und die schönsten Tricks zur Musik auszuführen.
Und dann kam der lang ersehnte Tag – Marie wurde sieben.
Mama, Papa!
Kaum aufgewacht, rannte das Mädchen ins Wohnzimmer und rief aus vollem Hals.
Ich habe doch heute Geburtstag, ich bin ganze sieben Jahre alt geworden. Darf ich jetzt zu der schönen Frau gehen, die Kindern wie mir beibringt, schön auf dem Eis zu laufen?
Mama und Papa schauten ihre Tochter lächelnd an.
Nun, wir haben dir ein Geschenk vorbereitet. Aber du bist wohl eine Zauberin, wenn du erraten hast, was dich erwartet.
Mama lachte.
Heute gehen wir zur ersten Stunde, wo du deine Schlittschuhe anziehen und zusammen mit der Gruppe trainieren wirst.
Hurra, hurra, endlich ist dieser Tag gekommen!
Marie freute sich und rannte los, um ihren Schlafanzug zu wechseln. Schon nach fünfzehn Minuten stand sie im Flur, gewaschen, satt und angezogen, bereit für neue Eindrücke und Erfolge.
Seitdem besuchte Marie den Unterricht. Und seitdem hatte das Mädchen einen Traum – sie wollte die beste Eiskunstläuferin werden. Dafür trainierte Marie zusätzlich allein, wenn alle Kinder nach dem Unterricht nach Hause gingen.
Das Mädchen ging zusammen mit Papa zum See und übte die Lauftechnik selbstständig, schon ohne Lehrerin.
Einmal, an einem der kalten Wintertage, als die Sonne am Himmel erschien, aber die Kälte nicht nachließ, und der Unterricht in der Eiskunstlaufgruppe wegen der starken Kälte ausfiel, beschloss Marie, laufen zu gehen.
Papa! Papachen! Gehen wir heute zur Eisbahn?
Kaum hatte sie die Augen geöffnet, rief Marie, ohne aus dem Bett zu steigen.
Hast du deine Hausaufgaben gemacht? Mach erst mal deine Aufgaben, und dann gehen wir zu deiner Eisbahn!
Antwortete Papa Marie.
Papa, wir haben nichts aufbekommen, wir können sofort losgehen.
Marie blieb dabei.
Aber Papa hörte Maries Antwort nicht und dachte, dass seine Tochter sich an die Hausaufgaben gemacht hatte.
In der Zwischenzeit machte sich Marie leise fertig, zog sich warm an, nahm ihre schönen Schlittschuhe und ging allein zum See.
Ich laufe ein bisschen allein, nicht lange, und niemand wird merken, dass ich nicht zu Hause bin.
Marie rannte zum See, zog ihre Schlittschuhe an und ging aufs Eis. Das Mädchen stand schon ziemlich sicher auf dem Eis, sie konnte sehr schnell laufen und drehte sich sogar. Und plötzlich hörte sie unter ihren Füßen ein lautes Knacken, vor ihr bildete sich ein riesiger Riss. Marie konnte nicht einmal blinzeln, als sie plötzlich in einen Abgrund fiel und das Bewusstsein verlor.
Marie öffnete die Augen – vor ihr strahlte alles ringsum. Das Mädchen schaute sich um, sie konnte nicht verstehen, wo sie gelandet war. Nur riesige Eisschollen um sie herum erinnerten an eine echte Höhle. Marie stand vorsichtig auf, und plötzlich erschien vor ihren Augen eine schöne Frau in einem weißen, prächtigen Kleid. Auf ihrem Kopf war eine Krone, die funkelte wie Diamanten.
Hallo, Marie. Ich beobachte dich schon lange, du gibst dir sehr viel Mühe und läufst sehr schön Schlittschuh.
Sagte die Frau mit kalter Stimme.
Marie hatte aus irgendeinem Grund überhaupt keine Angst.
Guten Tag, danke. Ich möchte so gerne eine richtige Eiskunstläuferin werden und besser als alle laufen, damit ich im Fernsehen gezeigt werde und die ganze Stadt mir applaudiert.
Antwortete das Mädchen.
Möchtest du, dass ich dir helfe?
Fragte die Frau plötzlich.
Sie schwang ihre Arme, ihre Krone leuchtete in hellen Farben, und Marie verwandelte sich plötzlich in eine schöne Eiskunstläuferin in einem glitzernden blauen Kleid. Um sie herum erschienen plötzlich viele Zuschauer, die klatschten und riefen:
Marie, du bist die Beste und die Schönste!
Marie schloss für einen Moment die Augen, und sie wünschte sich so sehr, dass dieses Glück so lange wie möglich dauern würde.
Und plötzlich, als sie die Augen öffnete, fand sich Marie in ihrem Zimmer wieder.
War das alles wirklich nur ein Traum?
Grübelte das Mädchen.
Dann richtete sie ihren Blick auf das Nachttischchen neben dem Bett. Darauf sah sie wunderbare neue Schlittschuhe mit einem schönen Muster. Neben den Schlittschuhen lag ordentlich ein Konzertkleid in leuchtendem Blau, genau wie das, von dem sie gerade geträumt hatte.
Das war ja die echte Winterkönigin, die Träume erfüllt!
Verstand Marie und lächelte leise, denn ihr Traum war wahr geworden.
Lest Märchen und eure Träume werden Wirklichkeit.