Es lebte einmal eine Ziege mit sieben Ziegenkindern. Es fiel ihr schwer, die Kinder allein großzuziehen. Sie arbeitete in der Showbusiness-Branche, sang, aber ihre künstlerische Karriere lief nicht besonders gut. Sie verdiente kaum genug zum Leben. Nur einmal gewann sie einen Wettbewerb und erhielt als Preis einen neuen "Mazda", der ihr sehr bei der Hausarbeit und der Betreuung der Ziegenkinder half.
Die Ziege musste ohne freie Tage arbeiten. An Wochentagen brachte sie die Ziegenkinder in den Kindergarten. Aber was sollte sie an den Wochenenden mit ihnen machen? Ihre Eltern lebten auf dem Land, arbeiteten auf einer Kohlplantage und konnten ihrer Tochter nicht helfen. Außerdem waren sie beleidigt, dass sie einen Ziegenbock geheiratet und in die Stadt gezogen war.
Deshalb musste die Ziege die Kinder allein in der Wohnung lassen, schaltete ihnen Zeichentrickfilme im Fernsehen ein und ging zur Arbeit. Sie verbot ihnen streng, die Tür für jemanden zu öffnen, da es Diebe geben könnte. An den Wochenenden kam die Ziege nur nach Hause, um die Kinder zu füttern.
Wenn die Ziege zurückkam, läutete sie an der Gegensprechanlage und sang:
Ziegenkinder, kleine Schätze!
Öffnet, öffnet schnell die Türe!
Eure Mutter ist hier angekommen
und bringt euch Milch zum Trinken.
Die Ziegenkinder hörten die Stimme ihrer Mutter durch die Gegensprechanlage, öffneten die automatische Tür. Die Ziege fütterte und tränkte sie und ging dann wieder zur Arbeit in die Showbusiness-Branche.
Zu Recht fürchtete sie sich. In dieser Gegend trieb ein einsamer Wolf sein Unwesen mit Diebstählen. Er fuhr auf einem schwarzen "Harley", bemerkte die Ziege – so modisch, ein aufstrebender Star auf einer neuen, schönen Maschine. Der Wolf beschloss, die Wohnung der Ziege auszurauben, da er dachte, sie sei reich.
Er hörte, wie sie an der Haustür sang, und beschloss, dasselbe zu tun. Er rannte zum Haus, läutete an der Gegensprechanlage und brüllte:
Ziegenkinder, kleine Schätze!
Öffnet, öffnet schnell die Türe!
Eure Mutter ist hier angekommen
und bringt euch Milch zum Trinken.
Als die Ziegenkinder die heisere Stimme des Wolfes hörten, verstanden sie, dass dies nicht ihre Mutter war, und öffneten die Tür nicht.
Der Wolf überlegte, was er tun sollte, und ging zu einem Gesangslehrer. Dieser trainierte ihm eine dünne, zarte Stimme an, genau wie die der Ziege.
Er setzte sich auf sein Motorrad, fuhr zum Haus und versteckte sich hinter einer Ecke. Er sah die Ziege herauskommen und Anweisungen an die Ziegenkinder geben, dass sie sofort die Polizei anrufen sollten, wenn jemand mit heiserer Stimme an die Tür klingeln und brüllen würde.
Eine Minute nach der Abreise der Ziege läutete der Wolf bereits an und sang mit dünner Stimme:
Ziegenkinder, kleine Schätze!
Öffnet, öffnet schnell die Türe!
Eure Mutter ist hier angekommen
und bringt euch Milch zum Trinken.
Die Ziegenkinder glaubten ihm und öffneten die Tür. Der Wolf rannte in die Wohnung und sah, dass es außer einem Fernseher mit Zeichentrickfilmen nichts zu stehlen gab. Die Ziege war nicht so reich, wie der Dieb gedacht hatte. Der Wolf beschloss, die Ziegenkinder mitzunehmen. Vielleicht brauchte sie jemand! Er wollte sie nicht essen, da er Vegetarier war. Er nahm alle mit, außer dem kleinsten, der sich in den Ofen verkrochen hatte und den der Wolf nicht fand.
Als die Ziege nach Hause kam, öffnete ihr niemand die Tür. In der leeren Wohnung fand sie nur das jüngste Ziegenkind im Backofen.
Sie stand an der Tür und weinte bitterlich. Sie suchte in ihrer Handtasche nach ihrem Mobiltelefon und wollte die Polizei anrufen. Da sah sie, wie der Wolf auf seinem "Harley" zum Haus fuhr und sechs Ziegenkinder mit ihm kamen – in Schutzhelmen, fröhlich und glücklich. Sie sprangen aus dem Motorrad und umarmten und küssten ihre Mutter.
Sie erzählten dem Wolf von ihrem schweren Leben, dass sie ohne Vater aufwuchsen und ihre Mutter den ganzen Tag bei der Arbeit verbrachte. Der Wolf erbarmte sich ihrer, denn er war auch ohne Eltern aufgewachsen. Er beschloss, der Ziege bei der Erziehung der Kinder zu helfen.
Die Ziege stimmte zu, aber unter der Bedingung, dass der Wolf sein Wanderleben aufgab und nicht mehr stahl, sondern sich nützlichen Dingen widmete. Der Wolf stimmte zu, denn sein gefährliches und einsames Leben war ihm längst zuwider.
So lebten sie alle zusammen. Die Ziege gab ihre Karriere auf und kümmerte sich um den Haushalt und ihre Ziegenkinder. Der Wolf begann selbst zu singen und war dabei recht erfolgreich. Er war zufrieden, dass er seine Berufung gefunden hatte und eine echte Familie bekommen hatte.
Lest Märchen und euer Schicksal wird sich glücklich und lustig gestalten!