Die Sonne neigte sich träge dem Sonnenuntergang zu. Die Schatten der Bäume wurden immer länger. Die Hitze ließ allmählich nach. Ein frischer Wind wehte auf, die Bäume raschelten mit ihren Blättern. Vögel kreisten im Flug, mal mit den Flügeln schlagend, mal innehaltend, mal durch die Luft gleitend.
Die gelbäugigen Gänseblümchen, die auf der Wiese wuchsen, wiegten sich und hoben ihre Köpfchen höher, als ob sie besser hören wollten, was die Vögel in der Höhe sangen. Ein warmer Sommerregen war vorbeigezogen, und die noch nicht getrockneten Tröpfchen glitzerten wie silberne Perlen auf dem Gras. Eine bunte Henne führte ihre Küken zum Spaziergang aus. In einer entfernten Ecke der Wiese scharrte sie Würmchen aus der feuchten Erde für sie hervor.
Die Küken drängten sich um ihre Mutter in Erwartung der Beute und piepsten vor Vergnügen mit dünnen Stimmchen:
Piep-piep-piep, piep-piep-piep.
Zwei Küken sahen gleichzeitig einen kriechenden Wurm und eines von ihnen rief:
Das ist mein Wurm! Ich habe ihn zuerst gesehen!
Nein. Ich habe ihn gefunden!
Antwortet das zweite.
Mein Wurm!
Nein, meiner!
Während sie stritten, kroch der Wurm an einen sicheren Ort.
Die Küken stürzten los, um ihn zu verfolgen, aber von ihm fehlte jede Spur.
Währenddessen war ein ungehorsames, dummes Küken weit von der Mutter-Henne weggegangen und hatte sich, allein gelassen, im dichten Gras verirrt und piepste kläglich.
Dieses Piepsen hörte die Nachbarskatze, die sich unter einem Busch in der Sonne wärmte. Sie schaute sich um, legte sich auf den Bauch und begann, sich entlang der Büsche an das gelbliche Küken heranzuschleichen, das wie eine blühende gelbe Pusteblume aussah. Zu dieser Zeit war niemand in der Nähe, und nichts hinderte die Katze daran, ihre böse Absicht auszuführen. Da erstarrte sie, nur die Spitze ihres langen Schwanzes zuckte leicht. Allem Anschein nach bereitete sie sich auf den entscheidenden Sprung vor.
Aber es stellte sich heraus, dass die Katze zu dieser Zeit nicht ganz allein auf der Wiese war. In der Nähe, auf einem alten, verzweigten Baum, saß eine Krähe. Sie war immer über alle Ereignisse in der Umgebung informiert. Sie wusste alles über alle und hatte sogar ein Liedchen über sich selbst gedichtet:
Ich bin die Krähe, ich weiß alles,
Ich kann alles, ich verstehe alles.
Euch erzähle ich auch,
Wie man was macht, zeige ich euch.
Und jetzt sah sie alles und schien zu warten, was als Nächstes passieren würde. Oder vielleicht wollte sie selbst das Küken stehlen – so etwas kommt vor. Wer weiß schon, was die schwarze Räuberin vorhatte... Plötzlich krächzte sie durchdringend, stürzte sich vom Ast und flog auf die rote Katze zu.
Die Katze sprang vor Überraschung hoch, das Fell auf ihrem Rücken sträubte sich, der Schwanz stand wie eine Röhre nach oben, und sie ergriff die Flucht: Sie schlüpfte ins Dickicht des dichten Gebüschs.
Und was ist mit der Krähe? Jetzt wird sie wohl zum Küken zurückkehren...
Aber nein, mit breiten Flügeln schlagend, machte sie einen Kreis über der Wiese und flog davon.
Die bunte Henne bemerkte inzwischen, dass nicht alle ihre Kleinen bei ihr waren. Sie gackerte besorgt, lief über die ganze Wiese, schaute unter jeden Busch, und als sie zu den Dickichten des hohen Grases lief, sah sie, dass sich dort jemand bewegte.
Das Küken hörte den Ruf der Mutter-Henne, teilte mit seinen Füßchen das Gras und schaute ängstlich heraus. Und als es die Mama sah, rannte es zu ihr, so schnell es konnte. Die Mutter-Henne schimpfte mit ihm, aber hörte schnell auf, böse zu sein, und scharrte für ihr gelbliches Küken einen dicken Wurm hervor.
Lest Märchen und ihr werdet immer erfahren, wie man sich verhalten soll und auf wen man in schwierigen Zeiten zählen kann.