Das Radio ist schon lange Teil unseres Lebens, aber heute hören die Menschen Radio immer häufiger im Auto oder auf dem Handy. Die ersten Radioempfänger sind jedoch längst in Vergessenheit geraten.
Eines Tages spazierte der junge Mann Markus wie gewöhnlich im Park. Er unterschied sich von seinen Altersgenossen. Diese verbrachten ihre Zeit lieber am Computer und kommunizierten immer häufiger per Telefon miteinander. Markus hingegen bevorzugte persönliche Gespräche und Spaziergänge in der Natur. Er liebte es, im Park zu sitzen und ein Buch zu lesen.
Auch diesmal saß Markus auf einer Parkbank und las ein Buch, als er plötzlich eine weibliche Stimme aus den Rosenbüschen hörte. Markus ging sofort dorthin. Aber er fand keine Menschenseele. Im Gebüsch lag ein alter Radioempfänger. Der Ton kam von ihm.
Ein Mädchen mit angenehmer Stimme las einen Roman vor – genau denselben, den Markus gerade zu lesen begonnen hatte. Er war fasziniert. Das Mädchen hatte eine angenehme Stimme und machte während des Lesens besonders durchdachte Kommentare zum Roman.
Markus nahm das Radio mit. Jedes Mal, wenn er Zeit hatte, schaltete er das Radio ein und hörte der angenehmen Stimme des Mädchens zu. Aber ihm gefiel nicht nur ihre Stimme, er liebte auch die Literatur, die sie ausgewählt hatte.
Als Markus die Sendefrequenz dieses Radiokanals ermittelt hatte, konnte er den Namen des Radiosenders nicht bestimmen. Nach den verfügbaren öffentlichen Quellen hätte dieser Kanal gar nicht existieren dürfen.
Markus hörte diesen Kanal immer häufiger und bemerkte, dass die Sendung an bestimmten Tagen und Uhrzeiten unterbrochen wurde. Da das Mädchen sehr belesen war, vermutete Markus, dass sie an der Universität studierte, wahrscheinlich in einem Literaturstudiengang. Er begann zu überlegen, wie er sie finden könnte. Denn während all der Zeit, in der er Radio hörte, war der junge Mann in das Mädchen verliebt.
Die Zeit verging. Markus hörte ständig Radio und träumte davon, sich mit diesem Mädchen persönlich zu treffen und mit ihr zu sprechen. Er war sicher, dass sie genauso war wie er, dass sie sich von ihren Altersgenossen unterschied, denn es war klar, dass sie sehr viel las.
Und eines Tages beschloss das Mädchen in einer Radiosendung, zu erzählen, wie sie ihren Kanal gegründet hatte. Ihre Mutter war Wissenschaftlerin und hatte alle notwendige Ausrüstung gebaut und eine bestimmte Radiofrequenz belegt. Sie erzählte ihren Hörern von dem, was sie selbst wusste. Aber niemand hörte ihr zu. Denn heutzutage ist es nicht modern, Radio zu hören, besonders nicht zu wissenschaftlichen Themen. Als ihre Mutter krank wurde, wurde der Radiokanal aufgegeben. Und als ihre Mutter starb, beschloss das Mädchen, ihr Werk zum Andenken an die Mutter fortzusetzen. Jetzt teilt sie mit ihren Hörern das, was sie weiß. Sie sagte, wo sie studiert.
Am nächsten Tag nahm Markus den alten Radioempfänger und machte sich auf den Weg zur Universität, die das Mädchen genannt hatte. Ein Mädchen kam auf ihn zu:
Guten Tag, woher haben Sie diesen Radioempfänger?
Ich habe ihn im Park gefunden.
antwortete Markus.
Dieses Radio hat meine Mutter gebaut. Es empfängt nur einen einzigen Kanal. Haben Sie ihn gehört?
Ich bin einfach in diesen Kanal verliebt. Sie führen diesen Kanal, nicht wahr?
fragte der junge Mann.
Ja, das bin ich. Gefällt es Ihnen?
Sehr. Ich träumte davon, Sie zu finden. Sie sind ein großartiger Gesprächspartner. Und heutzutage ist es so schwer, jemanden zu finden, der nicht am Computer sitzt oder nicht mit seinem Handy in der Hand herumsitzt. Aber Sie, wie ich auch, bevorzugen Bücher, nicht wahr?
Ja, das stimmt.
antwortete das Mädchen.
Von da an trennten sie sich nicht mehr. Er holte sie von der Universität ab, sie gingen in den Park, wo sie lange auf einer Bank saßen und miteinander sprachen. Sie beschlossen, ein Radio im Park zu installieren und Bücher für alle vorzulesen. Bald begannen junge Menschen, sich im Park zu versammeln und die Radiosendung zu hören.
Und endlich legten sie ihre Telefone und Computer weg. Die jungen Menschen begannen, ihre Wünsche zur Verbesserung des Radiokanals zu äußern. Bald reichten die Bänke im Park nicht mehr aus.
Es gibt nichts Besseres als persönliche Begegnung. Vergesst nicht, euch mit Freunden und Angehörigen zu treffen. Und die Welt wird sich vor euch in völlig neuen Farben zeigen.